Hitzig gestaltete sich der Vortrag von em. Univ- -Prof. Dr. Kurt Remele, der auf Einladung der "Aktion Kirche und Tiere" vor über 40 St. Pöltner GymnasiastInnen sprach, sowie die daran anschließende Diskussion, denn das Thermometer war am 26. Juni auf weit über 35 Grad geklettert. Prof. Remele, Theologe und Sozialethiker aus Graz mit dem Schwerpunkt "Tierethik", knüpfte gleich zu Beginn an diese klimatische Ausnahmesituation an und verwies auf Studien, wonach rund 18 % der klimaschädlichen Emissionen auf die industrialisierte Massentierhaltung zurückzuführen sind. Sein rund 90-minütiger Vortrag ging der Frage nach, ob Ethik und Religion gut für Tiere seien.
Ist die anthropozentrische Weltsicht mit all den sich daraus ergebenden Konsequenzen wie der Abwertung nichtmenschlicher Lebensformen doch letztlich auch unserem religiösen Erbe geschuldet, ebenso aber auch abendländischen Philosophen wie Rene Descartes, der in Tieren seelenlose Maschinen sah oder Immanuel Kant, der fand, dass man "mit vernunftlosen Tieren nach Belieben schalten und walten" könne. Remele gab den Jugendlichen aber auch zu wissen, dass schon der ihnen aus der Mathematik vertraute Pythagoras aus Rücksicht auf die Tiere vegetarisch lebte und einige herausragende Theologen wie der jüngst heiliggesprochene und zum Kirchenlehrer erhobene Kardinal John Henry Newman Grausamkeit Tieren gegenüber anprangerten und zu Mitgefühl aufriefen.
Anhand von wissenschaftlichen Studien aus der Verhaltensbiologie zeigte Prof. Remele auf, dass der Unterschied zwischen (nichtmenschlichen) Tieren und dem Menschen nicht absoluter, sondern bloß gradueller Natur ist. Zwei gezeigte Kurzfilme, über Großstadtkrähen, die Nüsse auf die Fahrbahn werfen, damit diese von Autos geknackt werden und die anschließend das Rotsignal der Ampel abwarten, um die Nüsse zu verzehren sowie über Menschenaffen, die bei Zuordnungsspielen am PC bessere Ergebnisse liefern als Volksschulkinder, widerlegten auf amüsante Weise gängige Vorurteile.
Den hohen Temperaturen im Seminarraum trotzend, beteiligten sich viele Jugendliche an der anschließenden Diskussion und bewiesen damit, dass ihnen der heute herrschende Umgang mit ("Nutz"-)Tieren alles andere als egal ist. Prof. Remele stellte zum Abschluss eines seiner wichtigsten Bücher zu dieser Thematik vor:
Kurt Remele: Die Würde des Tieres ist unantastbar. Eine neue christliche Tierethik. Butzon & Bercker, Kevelaer 2016
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