Rene Descartes (1596 - 1650) gilt als Vorreiter des Rationalismus, der den Wissenschaftsbetrieb der Moderne beherrscht. Tiere waren für Descartes seelenlose Maschinen ohne Schmerzempfinden. ( Auch heute werden in der Forschung Tiere als "Messinstrumente" bzw. "Reiz-Reaktionsmaschinen" gesehen.) Descartes forderte, der Mensch solle zum "Herrn und Meister", der - von ihm als seelenlos erachteten - Natur werden. Spätere Generationen haben diese Forderung verwirklicht, allerdings mit gigantischen Kollateralschäden, an denen Mensch und Planet heute leiden: Klimakatastrophe, Raubbau an Ressourcen, Zerstörung der Böden, Ausrottung vieler Tierarten, leergefischte und mit Mikroplastik verseuchte Ozeane - die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Der deutsche Philosoph Andreas Weber hält dem entgegen: "Wir brauchen eine neue Metaphysik. Die alte Idee, dass die Welt aus Sachen besteht, die man beliebig verändern kann, und dass nur der Mensch Geist besitzt, Moral und den Anspruch, gerettet zu werden, ist schon lange gestorben. Und dennoch verursacht sie immer noch Tod in einem unabsehbaren Ausmaß. Wir können es knapp so zusammenfassen: Wir haben ein Naturproblem. Wir sollten daher von den Menschen lernen, die keines hatten." (Andreas Weber: Indigenialität. Matthes & Seitz, Berlin 2024)

Eine, die kein Naturproblem hatte, war die deutsche Ordensfrau Hildegard von Bingen (1098 - 1179). Sie sah den Menschen eingebunden in größere Zusammenhänge. Obwohl in ihren Visionen der Mensch stets im Mittelpunkt steht, betrachtet sie ihn nicht als despotischen Herrscher, sondern als Partner aller Kreaturen. Heutige Versuche, Hildegard als eine der ersten Naturwissenschaftlerinnen zu positionieren, erweisen sich bei genauerem Hinsehen als moderne Projektionen. Im Gegenteil sieht sie geradezu hellsichtig die Konsequenzen einer Wissenschaft ohne Gewissen voraus. Manche ihrer Texte wirken erschreckend aktuell. 

In mehreren Artikeln möchten wir Ihnen gerne Denken und Wirken der deutschen Ordensfrau  näherbringen.

Wer war diese Frau aus dem 12. Jahr-hundert, die schon als Kind ins Kloster kam, später Äbtissin wurde, mit Papst und Kaiser in Verbindung stand, auf Reisen öffentlich predigte, kluge Ratgeberin war und von ihren Visionen inspiriert ein gewaltiges theologisches und heilkundiges Werk hinterließ?

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Der Mensch soll auf dieser Erde ein Werk schaffen. Dazu muss er seine eigene Größe, aber auch seine Grenzen kennen, Respekt vor der Natur haben und sich im Einklang mit der göttlichen Ordnung befinden. Auf diese Weise "wird der Mensch zum blühenden Garten, in dem der Herr seine Augen weidet..."

Hildegards visionäre Bilder bleiben zeitlos aktuell.

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"Unmöglich Menschenwerk!" urteilte der österreichische Arzt Dr. Gottfried Hertzka über die rund 2000 Heilmittel Hildegards. Ihm war es vorbehalten, "Hildegard-Medizin" im 20. Jahrhundert wieder-zuentdecken. Wer dabei nur an Kräuter-anwendungen denkt, irrt: Hildegard betont die Notwendigkeit einer geistigen Umkehr und die Hinwendung zu Schöpfung und  Schöpfer.

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