FRAGEN UND ANTWORTEN ZUR "AKTION KIRCHE UND TIERE" / AKUT Österreich

 

Wofür steht die „Aktion Kirche und Tiere“ eigentlich?

Nach dem Vorbild der 1988 in Deutschland gestarteten gleichnamigen Initiative und der 2004 auch in der Schweiz gegründeten Organisation ist es uns ein Anliegen, die Lücke im deutschsprachigen Raum zu schließen und in Österreich ebenfalls die "Aktion Kirche und Tiere" zu etablieren.

Ziel von AKUT ist es, Tiere – unsere Mitgeschöpfe – in Theologie und Kirche zu thematisieren und sichtbar zu machen. Wir stehen den christlichen Kirchen nahe und sind ökumenisch ausgerichtet.

 

Gibt es in Österreich nicht schon genug Tierschutzorganisationen?

Wir sind keine klassische Tierschutzorganisation. Wir vermitteln auch keine Tiere. Unser Ziel ist es, ein Umdenken, einen Gesinnungswandel zu erreichen. Gerade die christliche Tradition bietet eine Fülle an Beispielen für gelebte Schöpfungsverantwortung für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Umwelt. Viele Heilige und Eremiten haben das vorgelebt. Am bekanntesten ist wohl Franz von Assisi. In unseren ländlichen Regionen wurden früher Viehpatrone wie der hl. Leonhard verehrt. Tiere galten nicht bloß als seelenlose Objekte in der "Fleischproduktion", sondern als Mitgeschöpfe. Tier- , Stall- oder Flursegnungen legen heute noch Zeugnis von dieser Denkweise ab.

Die Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus aus dem Jahr 2015 greift das Anliegen der Achtsamkeit gegenüber der gesamten Schöpfung in einzigartiger Weise auf und vermittelt Perspektiven für eine nachhaltige Zukunft.

 

Die biblische Forderung „Macht euch die Erde untertan“ gilt also nicht mehr?

Diese Forderung hat so nie gegolten. Wenn man den Text genauer untersucht, kann man feststellen, dass es im hebräischen Originaltext wörtlich heißt, der Mensch solle „seinen Fuß auf die Erde setzen“, was zwar eine Inbesitznahme andeutet, aber sicher keine despotische Willkürherrschaft rechtfertigt. Das altorientalische Herrscherideal, das dem Text aus dem Buch Genesis (1. Buch Mose) zugrunde liegt, verbindet Macht stets mit Verantwortung. Zweiteres wurde bei der Rezeption dieses Textes gerne übersehen.

Wenn man ein paar Zeilen überspringt, kann man feststellen, dass Tieren aufgetragen wird, „fruchtbar zu sein und sich zu vermehren“. Tieren wird das Recht auf Arterhaltung und Lebensraum zugesprochen. Es ist weiters die Rede davon, dass Tieren „Lebensatem“, das heißt, eine Seele innewohnt und uns Menschen wird pflanzliche Nahrung zugewiesen. Dass Mensch und Landtiere gemeinsam am „6. Tag“ erschaffen werden, deutet auf die tiefe Verbindung und ein gemeinsames Schicksal hin. So gesehen ist die Schöpfungserzählung ein ziemlich revolutionärer Text!

 

Besteht die vorrangige Aufgabe der Kirchen nicht darin, sich um Menschen zu kümmern?

In Anbetracht von Krieg, Terror, Pandemien und drohender Klimakatastrophe könnte man Tierschutz – oberflächlich betrachtet – als nachrangig ansehen. Allerdings sind die oben aufgezählten Problemfelder ineinander verwoben und dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Friede, Gerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung bedingen einander.

Ein Beispiel: Alle bekannten Pandemien der letzten Jahrzehnte sind zoonotisch, das heißt, durch unnatürliche Massentierhaltung oder dem Zurückdrängen aus angestammten Lebensräumen vom Tier auf den Menschen übergesprungen. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Tieren nützt letztendlich dem Menschen. Tierschutz ist Menschenschutz.

Oder um Pythagoras zu zitieren: „Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück.“

 

Was bedeutet Ihr Logo?

Der Esel steht für die Nutz- bzw. Lasttiere, die Taube für die frei lebenden Tiere. In biblischer Zeit galt der Esel darüber hinaus als das Tier der Armen und der Friedfertigen. Es ist daher kein Wunder, dass Jesus für seinen Einzug in Jerusalem einen Esel (eigentlich eine Eselin samt Fohlen) wählt. Manche Exegeten sehen darin übrigens einen Hinweis, dass auch die Tiere dem Kreuz entgegengehen und erlösungsbedürftig sind. Das Christentum verheißt keine Erlösung von der Welt, sondern eine Erlösung d e r Welt, das heißt, der gesamten Schöpfung (Römer 8,18ff).

Die Taube wiederum ist nicht nur ein bekanntes Friedens- & Hoffnungssymbol, sondern steht auch für Gottes Geist, der in der Schöpfung von Anfang an gegenwärtig ist. (Gen / 1 Mose 1,2)

Auch wenn vom Regenbogen heute in gänzlich anderen Zusammenhängen Gebrauch gemacht wird, ist es doch in erster Linie ein biblisches Symbol, auf das wir nicht verzichten wollen: Der Regenbogen  erinnert an die biblische Noah-Erzählung, an deren Ende Gott seinen Bund nicht nur mit Noah und dessen Nachkommen schließt, sondern auch mit allen anderen Lebewesen, explizit mit Vögeln, Vieh und allen Wildtieren der Erde (Gen / 1 Mose 9,8ff).

 

Glauben Sie tatsächlich, etwas erreichen zu können?

Der großartige evangelische Theologe Albert Schweitzer hat es einmal so formuliert: „Das Wenige, das du tun kannst, ist viel, wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh und Angst von einem Wesen nimmst.“

Es ist uns bewusst, dass wir keine große Organisation sind. Wir sehen uns als Impulsgeber. Wir können positive Entwicklungen anstoßen oder verstärken. Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann bekanntlich einen Orkan auslösen.

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