PFINGSTEN / FIRMUNG / GOTTES GEIST

Heiliger Geist,

du belebendes Leben,

Dynamik des Alls und Wurzel

der Schöpfung,

reinige deine Schöpfung

von Schmutz,

tilge die Schuld und salbe

die Wunden.

Oh strahlendes Leben,

des Lobes wert,

erwecke und wiedererwecke das All!

 

Hildegard von Bingen (Lied Nr. 15)

Es gibt nichts Totes auf der Welt,

hat alles sein´ Verstand.

Es lebt das öde Felsenriff,

es lebt der dürre Sand.

 

Lass deine Augen offen sein,

geschlossen deinen Mund

und wandle still, so werden dir

geheime Dinge kund.

 

Dann weißt du, was der Rabe ruft

und was die Eule singt.

Aus jedes Wesens Stimme dir

ein lieber Gruß erklingt.

Hermann Loens 

DESIDERATA

Gehe gelassen durch das Lärmen und Hasten und vergiss nicht, welcher Friede in der Stille sein kann.

Versuche, soweit es möglich ist, in guten Beziehungen zu allen Menschen zu leben. Sag deine Meinung ruhig und klar und höre zu, auch den Schwerfälligen und Unwissenden, auch sie haben etwas zu sagen. Meide laute und angriffslustige Menschen, sie verwirren den Geist. Wenn du dich mit anderen vergleichst, werde weder eitel noch bitter, denn immer wird es Bessere und Geringere als dich geben.

Freu dich deiner Leistungen und Pläne. Bemühe dich um dein Fortkommen, aber bleib bescheiden, es wechselt das Glück in der Zeit. Sei vorsichtig in geschäftlichen Dingen, denn die Welt ist voll Betrügereien. Aber werde deshalb nicht blind für das Gute. Manche Menschen kämpfen für hohe Ideale und überall ist das Leben voll Heldenmut.

Sei du selbst. Vor allem heuchle keine Zuneigung. Sprich nicht zynisch über die Liebe, denn angesichts der Dürre und Enttäuschungen ist sie dauerhaft wie Gras.

Nimm freundlich den Rat der Jahre, dankbar überwindend die Irrwege der Jugend. Schule deinen Geist, damit er dich schützt in der Not, aber quäle dich nicht mit Einbildungen. Viele Ängste entstehen aus Erschöpfung und Einsamkeit.

Trotz einer heilsamen Ordnung sei sanft mit dir selbst. Du bist ein Kind der Schöpfung, wie die Bäume und die Sterne. Du hast ein Recht, hier zu sein, auch wenn dir das nicht klar sein sollte. Zweifellos entfaltet sich die Welt, wie ER sie geplant. Halte Frieden mit Gott, wie immer du sein Sein betrachtest. 

Wie hart du auch arbeitest, wonach du auch strebst im lauten Wirrwarr des Lebens , halte Frieden mit deiner Seele. Mit all ihrer Schande und ihren zerbrochenen Träumen ist es doch eine wunderbare Welt. 

Sei achtsam. Bemühe dich, glücklich zu sein!

nach Max Ehrmann, amerikanischer Dichter und Dramatiker (1872-1945)

Wie das kunstvolle Netz der Spinne

verbindet die Kirche

Mensch und Mensch,

Schöpfung und Schöpfer,

Diesseits und Jenseits.

Das Band, das alles zusammenhält,

ist Liebe, die universale Geschwisterlichkeit

mit allen Geschöpfen.

Wehe dem, der es zerreißt!

Die Kirche ist einer der letzten Orte konzentrierter Aufmerksamkeit. Hier entsteht wöchentlich ein Gemeinschaftserlebnis, das seit mehr als 2000 Jahren das Geheimnis der Kirche ausmacht. 

Kleinen heilenden Gemeinschaften kommt dabei besondere Bedeutung zu: Sie sind Orte der Begegnung, des Miteinander und strukturieren das Leben in einer immer unübersichtlicheren Welt. Erfahrungen von Heil und Heilung finden hier ebenso Platz wie Erfahrungen des Scheiterns. 

Kirchen waren und sind die wichtigste Brücke zwischen Welt und deren Gegenüber.

Kirchen sind Biotope der Menschlichkeit in einer zunehmend technisierten Welt.

Die gute Frage:

Ist der Heilige Geist eine Taube?

 

Tauben waren bis vor wenigen Jahrzehnten ein vertrauter Anblick auf Bauernhöfen. Im Taubenkobel frei hausend, galt das Tier als beliebte Speise. Wenn jemandem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, ist das ein althergebrachter Ausdruck für offensichtliches Wohlergehen.

Groß war die Liebe zu diesem friedfertigen, zärtlichen Vogel in der Antike. Die in diesem Raum entstandene Bibel hat sich bald dieses symbolträchtigen Tiers bemächtigt: Es wimmelt geradezu von Turteltauben oder jungen Tauben (Lev 14,30). Bereits auf den ersten Seiten des Buches Genesis lässt Noach eine Taube hinaus, um zu sehen, ob das Wasser auf der Erde abgenommen habe (Gen 8,8). Die Taube kehrt schließlich mit einem Ölzweig zurück. Selbst als Schönheitsideal fasziniert sie: Die Augen des Geliebten werden im Hohelied mit Tauben an Wasserbächen verglichen (Hld 5,12).

Dass im Anschluss an die Tauf Jesu der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam (Mk 1,10), ließ das Tier zum wohl wichtigsten Symbol für Gottes Geist und das Pfingstfest werden - oft auch zum Schöpfungssymbol.

Die gute Frage:

Was ist eigentlich ein "Pfingstochse"?

 

Der Wortstamm von "Pfingsten" hat zu allseits bekannten Wortkreationen geführt, sei es der stressige "Pfingstreiseverkehr", die schöne "Pfingstrose"  oder der prächtige "Pfingsochse".

Wenn jemand als "herausgeputzt wie ein Pfingsochse" bezeichnet wird, ist dies meist nicht schmeichelhaft gemeint - zu Unrecht eigentlich, denn diese Tiere wurden bzw. werden zuweilen heute noch so prächtig geschmückt, weil das Vieh zu Pfingsten zum ersten Mal auf die Weide, eben die "Pfingstweide", darf - in Zeiten der industri- alisierten Landwirtschaft mit ihren voll- automatisierten Ställen alles andere als eine Selbstverständlichkeit, auch wenn die Werbung uns das mit idyllischen Bauernhofszenen einzureden versucht.

Pfingsten war lange Zeit auch ein Hirtenfest und der prächtig geschmückte Ochse letztlich Ausdruck der Wertschätzung der bäuerlichen Bevölkerung gegenüber ihren Tieren. 

Wussten Sie, dass...

auf Hildegard von Bingen einige neue Wortschöpfungen zurückgehen?

 

Eine dieser Wortschöpfungen ist der lateinische Begriff "viriditas", den man  mit "Grünkraft" übersetzen kann. Für Hildegard ist nämlich die Farbe Grün der Ausdruck für Lebenskraft. Diese "Grünkraft" ist die vom Schöpfer geschenkte Lebendigkeit, die im Menschen und in allen Lebewesen sowie in den vier Elementen (Feuer, Wasser, Luft, Erde) zu finden ist.

Alles, was auf der Erde lebt, nährt sich aus diesem heilbringenden, Kraft spendenden Prinzip. Hildegard wusste, dass Gottes Geist der belebende Urgrund für alles ist, was wächst, sich regt und atmet. 

Viriditas, die Grünkraft, bedeutet in ihrem Sinn auch die Heilkraft in einer Krankheit, das Überwinden einer depressiven Phase. Sie steht für Lebenserneuerung, Umkehr, aber auch für Mitleid und Barmherzigkeit, ja, für das gesamte Heilwirken Gottes. 

Hildegard sieht in ihren Visionen, dass der Mensch von Anfang an mit dieser grünenden Lebenskraft ausgestattet ist. Durch seine Abkehr von Gott aber fällt er in eine "Dürre" und damit in Krankheit und Tod. Seine Lebenskraft ist gebrochen. Der Mensch kann aus der Natur aber nicht bloß seine leiblichen Bedürfnisse stillen, er kann aus ihr auch neue seelische Kraft schöpfen.

Forschungsergebnisse der Gesundheits- ökologie scheinen Hildegards Ansatz zu bestätigen: Der "Biophilia-Effekt" beispielsweise beschreibt, wie der Aufenthalt in der Natur unser Immunsystem messbar stärken kann.

Großer Geist,

dessen Stimme ich in den Winden vernehme und dessen Atem der ganzen Welt Leben spendet, erhöre mich!

Ich trete vor dein Angesicht als eines der vielen kleinen Kinder. Siehe, ich bin klein und schwach, ich brauche deine Kraft und Weisheit.

Lass mich in Schönheit wandeln und meine Augen immer den purpurroten Sonnenuntergang schauen. 

Mögen meine Hände die Dinge achten, die du geschaffen hast, und meine Ohren deine Stimme hören!

Mache mich weise, damit ich die Dinge erkennen kann, die du mein Volk gelehrt hast, die Lehre, die du in jedem Blatt und jedem Felsen verborgen hast. Ich sehne mich nach Kraft, nicht um meinen Brüdern und Schwestern überlegen zu sein, sondern um meinen größten Feind - mich selbst - bekämpfen zu können. 

Mache mich stets bereit, mit reinen Händen und aufrichtigen Augen zu dir zu kommen, damit mein Geist, wenn das Leben wie die untergehende Sonne verschwindet, zu dir gelangen kann, ohne sich schämen zu müssen.

Gebet der Sioux

Geist ist der Urgrund

Als Physiker, also als Mann, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, der Erforschung der Materie diente, bin ich sicher von dem Verdacht frei, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden. Und so sage ich nach meinen Erforschungen des Atoms folgendes:

Es gibt keine Materie an sich! Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Atoms zusammenhält. Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente noch eine ewige (abstrakte) Kraft gibt - es ist der Menschheit nie gelungen das heißersehnte Perpetuum mobile zu erfinden - so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie.  Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche (denn die Materie bestünde, wie wir es gesehen haben, ohne diesen Geist überhaupt nicht!), sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre. Da es aber Geist an sich nicht geben kann und jeder Geist einem Wesen zugehört, so müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selbst sein können, sondern geschaffen worden sein müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu nennen, wie ihn alle alten Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: - GOTT!

Max Planck, Begründer der Quantenphysik und Nobelpreisträger (1858-1947)

 

Für das Überleben unserer Zivilisation ist es heute mehr denn je unerlässlich, zu einem neuen Denken zu kommen: dem Denken in Zusammenhängen, dem vernetzten Denken.

Diese Veränderung in unserem Bewusstsein wiederum muss einhergehen mit einer Änderung der wirtschaftlichen Zielvorstellung und Wertmaßstäbe unserer Gesellschaft.

Hans A. Pestalozzi

Geist statt Technik

Gibt es ein kläglicheres Schauspiel als das Entzücken unserer Leute über den Fortschritt der Wissenschaften und der Technik? Gibt es etwas Beschränkteres und Traurigeres als das Triumphgefühl unserer Leute. alle Religionen überwunden zu haben? Das glauben sie nämlich, die "guten Mitteleuropäer". Auf was stützen sie ihren Dünkel? Z.B. auf Maschinen. Als ob es irgendeine Maschine gäbe, die nicht schlechteste Imitation vergangener Handarbeit des Menschen ist. Surrogat, an dem der Geist verhungert. (...) Flugmaschine, kann sie irgendwie dem Geiste dienen?  Direkte Beförderung von A nach B, Luftlinie. Das ist doch nichts besonders Geistreiches. (...)

Der einzige Witz unserer gesamten modernen Technik ist offenbar der, uns vom Denken abzuhalten, Geist zu sparen. Wer mit Geist und in Gedanken heute geht, wird wegen Verkehrsstörung in Haft genommen oder überfahren.

Es wird aber eine Zeit kommen, in Bälde, da wird man unsre ganze Technik und Wissenschaft grenzenlos langweilig finden; man wird sie vollkommen liegen lassen, ja vergessen; man wird gar keine Zeit dazu haben, weil man mit geistigen Gütern handeln wird.

Der deutsche Maler Franz Marc (1880 - 1916) sah Natur und Tiere als Gegenpol zum modernen Leben, von dem er sich zunehmend entfremdete. Marc empfand Tiere als spirituelle Wesen. Seine farbenfrohen Tierdarstellungen sind von einer beinahe meditativen Verehrung durchdrungen.