UNSER TÄGLICHES SCHNITZEL GIB UNS HEUTE! – Eine Provokation oder gar Blasphemie? Dabei könnte so manchem gelernten Österreicher diese Abwandlung der Vaterunser-Bitte leicht über die Lippen kommen: Liegt der österreichische Fleischkonsum doch unangefochten im Spitzenfeld Europas. Unser Fleischhunger hat allerdings seinen Preis:
Unser Schnitzel - ein Chemie-Cocktail?
Damit Fleisch billig produziert werden kann, ist unnatürliche Massentierhaltung notwendig. Viele Tiere auf engstem Raum führen nicht nur zu extremem Stress und Verhaltensstörungen, sondern sind klarerweise Brutstätte für Pandemien. Um Krankheitsausbrüchen vorzubeugen, werden die Tiere präventiv nicht nur mit Antibiotika gefüttert, sondern auch mit Wachstums-Hormonen, Hydrocortisone, Betablocker, Chemo-Vitaminen und Beruhigungsmitteln. Diese landen genauso wie die für den Menschen schädlichen Stresshormone im Fleisch auf den Tellern der Konsumenten. So gesehen ist das Schnitzel aus konventioneller Haltung ein ziemlicher Chemie-Cocktail. „Man ist, was man isst“, hat schon einst der Philosoph Ludwig Feuerbach geschrieben.
Nitrat: Na dann, Prost!
Doch damit nicht genug: Massentierhaltung produziert riesige Mengen an Gülle. Schweine beispielsweise produzieren in der Massentierhaltung aufgrund unnatürlicher Fütterungsweise flüssigen Kot (in natürlicher Haltung hingegen festen), der auf die Felder ausgebracht wird. Das lässt den Nitratwert im Boden exorbitant ansteigen. Das Nitrat im Leitungswasser (der Begriff „Trinkwasser“ wäre hier etwas übertrieben) verwandelt sich im Körper in krebserregendes Nitrit. Dank großzügiger Obergrenzen (50 mg Nitrat im Wasser) gilt nach österreichischem Gesetz als „Trinkwasser“, was anderswo verboten wäre: Die Schweiz erlaubt nur den halben Grenzwert (25 mg) und die US-amerikanische Gesundheitsbehörde empfiehlt gar eine Obergrenze von max. 10 mg Nitrat pro Liter Wasser.
Was unser Schnitzel mit dem Regenwald zu tun hat
Schweine sind Allesfresser und damit ein Nahrungskonkurrent des Menschen. Dass in Islam und Judentum das Schwein als „unrein“ und nicht als für den Verzehr geeignet betrachtet wird, hat sicher nicht nur mit Hygiene (Trichinengefahr) zu tun, sondern auch mit der sinnvollen Nutzung von Ressourcen: In der Steppe, wo diese beiden Religionen entstanden, sind Grasfresser wie Schafe oder Rinder einfach eine Ressourcen schonende Alternative. Apropos Ressourcen: Schweine in heimischen Mastbetrieben werden vorwiegend mit flüssigem Sojaschrot gefüttert. Sojaschrot wird hauptsächlich aus Südamerika importiert, wo er auf riesigen Plantagen, denen der Regenwald zum Opfer gefallen ist, angepflanzt wird. So dient die gewonnene Anbaufläche nicht einmal der indigenen Bevölkerung Amazoniens als Nahrungsquelle, sondern letztlich nur unserem Schnitzelhunger.
Umkehr ist möglich
Vielleicht mag die anbrechende Fastenzeit Gelegenheit sein, die alte Weisheit, dass nämlich „weniger mehr ist“, wieder in Erinnerung rufen. Freitags auf Fleisch zu verzichten, war bis vor wenigen Generationen eine Selbstverständlichkeit. Verhungert ist deswegen niemand. Auch unser goldbraun-knusprig wirkendes Schnitzel auf dem Bild ist in Wahrheit vegan: Das Rezept für Sellerieschnitzel verraten wir Ihnen gerne:
Sellerieschnitzel (Rezept für 2 Personen)
Ein Selleriekopf wird in Scheiben zu je 0,5 - 0,75 cm Dicke geschnitten. Die Selleriescheiben werden gewaschen und bei mittlerer Temperatur in einem Topf mit Salzwasser (ca. ein halber Esslöffel Salz) max. 10 min lang gekocht. Die Scheiben sollten noch bissfest sein. Anschließend werden diese mit Küchenrolle abgetupft. Für die Panier werden drei tiefe Teller jeweils mit Mehl, Eiersatzpulver und Brösel vorbereitet. Zunächst werden die Scheiben in Mehl gewälzt. Eiersatzpulver (meist ist das Lupinenmehl) wird mit Wasser angerührt und die Schnitzelscheiben durchgezogen. Abschließend werden sie in Semmelbröseln gewendet. Die panierten Sellerieschnitzel in der Pfanne mit Öl wenige Minuten goldbraun backen. Wenden nicht vergessen!
Angerichtet werden die fertigen Schnitzel mit Zitrone oder Preiselbeermarmelade. Als Beilage eignen sich Petersilerdäpfel. Guten Appetit!
P.S.: Das nächste Pfarrfest kommt bestimmt. Erkundigen Sie sich nach veganen Alternativen, die es vermutlich (noch) nicht gibt. Der (meist männliche) Grillmeister, der keinerlei Fleischalternativen kennt, ist vielleicht lernfähig...
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